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Gefahr im Alltag

 

Krank vom Klo: Öffentliche Toiletten im Test

Nur der Nase folgen muss mitunter, wer nach dem stillen Örtchen in Gaststätten oder öffentlichen Gebäuden sucht. In der Heimatstadt lässt sich der Gang auf öffentliche Toiletten ja meist vermeiden. Auf Reisen ist es schon schwieriger. Dabei finden sich schon auf den Klobrillen und Türgriffen vieler Raststätten massenhaft Bakterien und Keime.

95 europäische Raststätten hat der ADAC im vergangenen Jahr genauer unter die Lupe genommen. Dabei zeigte jede zweite Laborprobe von Toilettensitzen, Türgriffen und Baby-Wickeltischen eine Besiedelung mit Keimen und Bakterien, die als Gefährdung für die Gesundheit gilt. Noch schlimmer ist es um Sanitäranlagen in öffentlichen Schwimmbädern bestellt, wie Forscher der Fachhochschule Gießen-Friedberg herausfanden. Studien haben ergeben, dass bei jeder Toilettenspülung etwa 25.000 Viren und 600.000 Bakterien in winzigen Wassertröpfchen durch die Luft geschleudert werden. Diese landen im Umkreis von zwei Metern auf dem Boden und vermehren sich dort bestens.

Einem gesunden Menschen können diese Erreger in der Regel nicht viel anhaben. Ist das Immunsystem indes geschwächt oder gelangen die Keime durch kleine Verletzungen in den Körper, kann es zu Infektionen kommen. Besonders gefährdet sind Kinder und ältere Menschen.

Um so beunruhigender ist die Tatsache, dass es viele Menschen mit der Sauberkeit offenbar nicht so genau nehmen. 31% der Männer und 17% der Frauen waschen sich nach dem Besuch der Toilette nicht die Hände, hat die britische Food and Drink Federation durch eine Befragung von rund 2.000 Briten herausgefunden. Dabei ist die Zahl der Bakterien auf der Handfläche nach dem Besuch des stillen Örtchens doppelt so hoch wie vorher.

Was sich auf der Brille tummelt

Wer in Sachen Hygiene so nachlässig ist und dann auch noch Lebensmittel anfasst, läuft Gefahr, sich Darminfektionen, wie Typhus, Cholera, Salmonellen, Enteritis oder Darmgrippe zu holen. In seltenen Fällen kann es auch zu Hepatitis A, Wurmerkrankungen, Chlamydien und Geschlechtskrankheiten kommen.

Auf den Toiletten drohen aber auch Pilzinfektionen, die hauptsächliche Fuß- und Fingernägel sowie die Haut befallen. Beunruhigend ist die Auswertung von 9.000 Patientenakten, die zeigt, dass bei Nagelmykosen im Durchschnitt über vier Jahre vergehen, bis der Patient sich in ärztliche Behandlung begibt. Viel Zeit, um die Krankheit weiterzuverbreiten.

Toilettenbesucher, die ein paar einfache Regeln einhalten, können sich jedoch vor all diesen Erregern schützen:

· Sitze, Spülknopf, Toilettendeckel nur mit einem Papiertuch anfassen.

· Niemals auf die Klobrille setzen und wenn, dann nur mit Papierunterlage.

· Die Tür, soweit möglich, mit dem Fuß aufschieben. Muss die Klinke angefasst werden, dann auch hier nur mit Papiertuch.

· Die Hände anschließend mit Seife und möglichst warmem Wasser waschen.

· Zum Abtrocknen Papiertücher benutzen, keinesfalls Stoffhandtücher. Denn sie bieten den Keimen und Bakterien einen idealen Aufenthaltsort.

· Auf Campingplätzen oder in Schwimmbädern nicht barfuß auf das stille Örtchen gehen.

· Für das Wickeln kleiner Kinder zuvor Papier oder ein Handtuch auf der Wickelunterlage ausbreiten.

Viele Keime sterben ohne Feuchtigkeit

Zur Panik vor Keimen sehen Experten, wie Dr. Andreas Sammann, Leiter der Abteilung für Hygiene und wissenschaftlicher Direktor des staatlichen Hygiene Instituts in Hamburg, jedoch trotz allem keinen Grund, da viele Erreger absterben, sobald sie trocken werden.

Autor: Springer Medizin

Stand: 22.07.2002

http://www.lifeline.de/llspecial/arbeit_leben/gefahr_im_alltag/content-127677.html

 

 

Was ist das neue Coronavirus?

 

An Silvester informierten chinesische Behörden die Weltgesundheitsorganisation WHO über eine Häufung von Lungenentzündungen mit unklarer Ursache. Die Infizierten kamen aus Wuhan, einer Metropole mit etwa 11 Millionen Einwohnern.

 

Etwa eine Woche später war die Ursache identifiziert: ein neuartiges Coronavirus. Es trägt den Namen SARS-CoV-2. Zunächst gab es das Virus nur in China, mittlerweile breitet es sich weltweit aus. Ganz Italien wurde zur Schutzzone erklärt, auch in Deutschland steigt die Zahl der Infizierten stetig. Mittlerweile gibt es auch hier Tote.

 

Viele Einschätzungen vorläufig

 

Die Informationen zum neuen Coronavirus ändern sich derzeit in hohem Tempo, daher sind die aktuellen Einschätzungen stets als vorläufig zu betrachten. Fragen, die momentan unter Hochdruck ermittelt werden: Wie leicht kann das Virus Menschen infizieren, welche Symptome entwickeln Infizierte (und wie schnell), wie leicht ist der Erreger von Mensch zu Mensch übertragbar – und wie gefährlich ist das neuartige Virus im Vergleich zu früheren Ausbrüchen wie SARS oder MERS?

 

Artikel Abschnitt: Wie wird das neue Coronavirus übertragen?

 

Wie wird das neue Coronavirus übertragen?

 

Coronaviren sind oft zoonotisch. Das heißt: Sie zirkulieren in Tieren und mutieren dann so, dass sie vom Tier auf den Menschen überspringen können.

 

Die Tier-zu-Mensch-Übertragung erscheint auch bei SARS-CoV- 2 sehr wahrscheinlich. Denn der größte Teil der bisher beobachteten Fälle lässt sich auf einen Markt in der zentralchinesischen Stadt Wuhan zurückführen, auf dem lebende und tote Tiere verkauft wurden. Die genaue Herkunft des Virus ist aber, anders als oft behauptet, noch immer unbekannt.

 

“Es gibt nichts Gesichertes”, resümiert Prof. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité. “Was gesichert ist: Dass das ökologische Reservoir all dieser Coronaviren bestimmte Fledermaus-Arten sind, die Hufeisennasen-Fledermäuse. Dieses Virus wird aber wahrscheinlich, wie andere solche Viren auch, Zwischenwirte haben.” Von welchem Zwischenwirt das Virus aber auf den Menschen übergegangen ist, ist noch nicht bekannt.

 

Virus kann auch von Mensch zu Mensch wandern

 

Wie man andere Menschen genau anstecken kann, wird weiter erforscht. Wahrscheinlich werden die Coronaviren vor allem über eine Tröpfchen- und Kontaktinfektion weitergegeben – also durch direktes Anhusten oder Körperkontakt mit einer kranken Person. Eine reine Übertragung über die Luft wurde bisher nicht nachgewiesen.

 

Lange war man davon ausgegangen, dass der Rezeptor des Coronavirus vor allem in den tiefen Atemwegen vorkommt – so ist es bei SARS. Um sich anzustecken (und um das Virus weiterzugeben), müsste es also in die Lunge eingeatmet werden. “Mit anderen Worten: Es ist ein weiter Weg von Lunge zu Lunge”, sagt Christian Drosten. “Diesem Virus aber gelingt anscheinend doch eine aktive Vermehrung im Rachenbereich, das ist ein großer Unterschied zu SARS.” Fazit: Eine Ansteckung geht wesentlich schneller.

 

Leichter übertragbar als gedacht

 

“Es ist in den letzten Tagen deutlich geworden, dass das Virus leichter übertragen wird als zu Beginn des Ausbruchs angenommen. Das zeigen die Fallzahlen, aber auch die wissenschaftlichen Veröffentlichungen zur Berechnung der Basisreproduktionsrate. Sie ist in etwa so hoch wie die des SARS-Coronavirus von 2003″, so Prof. Lars Schaade, Vizepräsident und Leiter des Zentrums für Biologische Gefahren und Spezielle Pathogene vom Robert-Koch-Institut.

 

Anhand dieser Basisreproduktionsrate R0 versuchen Forscher derzeit zu ermitteln, wie sich die Epidemie weiter entwickeln könnte. Sie gibt an, wie viele Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Momentan geht man von einem Wert zwischen 2,4 und 3,3 aus.

 

Ansteckend schon ohne Symptome?

 

Vereinzelt wurde berichtet, dass sogar Infizierte das Virus übertragen haben, die noch gar keine Symptome hatten. Das ist ein wichtiger Faktor für die Bewertung, wie leicht sich eine Krankheit ausbreiten kann. Denn besonders gefährlich werden Viren, wenn sie sehr schnell von Mensch zu Mensch wandern.

 

Ein solcher Fall schien auch die Chinesin zu sein, die in Bayern ihren deutschen Kollegen angesteckt hat. So wurde unter anderem im renommierten New England Journal of Medicine behauptet, sie habe erst auf ihrem Rückflug nach China Symptome entwickelt. Allerdings stellt sich diese Information nun als falsch heraus: Die Chinesin soll sich doch schon während ihres Deutschlandaufenthalts müde gefühlt haben, unter Muskelschmerzen gelitten und Paracetamol gegen ihr Fieber eingenommen haben.

 

Das schließt allerdings nicht aus, dass es nicht in anderen Fällen zu einer Übertragung noch während der Inkubationszeit gekommen ist. Aktuell geht man von einer Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen aus.

 

Übertragung über Lebensmittel und Spielzeug?

 

Es gibt derzeit keinen Fall, bei dem nachgewiesen ist, dass sich Menschen auf anderem Weg mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben – etwa über den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder durch importiertes Spielzeug. Experten halten eine Infektion über diesem Weg für unwahrscheinlich.

 

Übertragungen über Oberflächen, die kurz zuvor mit Viren kontaminiert wurden, sind zwar durch Kontaktinfektionen denkbar. Coronaviren können gerade auf glatten Oberflächen mehrere Tage überleben – und so lange auch ansteckend bleiben.

 

Artikel Abschnitt: Wie gefährlich ist das Coronavirus?

 

Wie gefährlich ist das Coronavirus?

 

Das Coronavirus verursacht offenbar ganz unterschiedlich starke Beschwerden: Von einer eher harmlosen Erkältung und einem Infekt der oberen Luftwege bis hin zu den typischen Anzeichen einer viralen Lungenentzündung – Fieber mit Husten, Kurzatmigkeit und Atemschwierigkeiten, Muskelschmerzen und Müdigkeit. Seltener sind Kopfschmerzen oder Auswurf.

 

Mittlerweile ist klar: Bei uns hat ein Großteil der Erkrankten (etwa 80 Prozent) lediglich milde Erkältungssymptome – oder gar keine. Bei 20 Prozent aber verläuft die Krankheit schwer. Die besondere Risikogruppe sind ältere Patienten und Menschen mit Vorerkrankungen. So hatte ein großer Teil der Verstorbenen bereits ein angeschlagenes Immunsystem oder war sehr alt.

 

Zahl der Fälle steigt stetig

 

Mittlerweile stecken sich in China weniger Menschen an – dafür breitet sich das Virus in anderen Ländern immer stärker aus, auch hier in Europa. Wie gefährlich das Coronavirus ist, lässt sich aktuell aber noch schwer abschätzen, sagt Christian Drosten von der Berliner Charité. Wichtig sei zu beobachten, wie es sich ausbreite.

 

Sterblichkeitsrate scheint geringer

 

Vergleicht man die Sterblichkeitsrate (also die Zahl der Infizierten, die an der Krankheit sterben) des neuen Coronavirus mit denen der früheren Corona-Epidemien, scheint sie aktuell niedriger zu liegen – orientiert man sich an den bestätigten Fällen, läge sie bei etwa 3,5 Prozent. Da die Zahl unerkannter Infektionen aber wahrscheinlich noch weit höher liegt, dürfte die Sterblichkeitsrate eher noch niedriger sein. Virologe Christian Drosten geht von einer Sterblichkeitsrate zwischen 0,3 und 0,7 Prozent aus. Abschließende Daten gibt es jedoch noch nicht. Zum Vergleich: An einer SARS-Infektion starben etwa 10 bis 11 Prozent der Erkrankten.

 

Wer besonders gefährdet ist

 

Auch wenn alle Zahlen zur Sterblichkeit, die aktuell kursieren, mit Vorsicht zu betrachten sind: Eine erste Auswertung der chinesischen Gesundheitsbehörden deutet darauf hin, dass sich das Risiko, an dem Coronavirus zu sterben, deutlich unterscheidet – je nach Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen. Für die Analyse wurden Daten von 44 000 nachgewiesenen Corona-Infizierten aus China ausgewertet.

 

Das Fazit: Für junge Menschen ist das Risiko demnach eher gering. Ab einem Alter von 50 steigt das Risiko, an der Infektion zu sterben, deutlich an – auf etwa 1,3 Prozent. Am stärksten gefährdet sind Menschen ab 80 – 14,8 Prozent der Infizierten in der chinesischen Auswertung starben. Inwieweit sich diese Zahlen auf Europa übertragen lassen können, ist fraglich. Trotzdem geben sie ein erstes Bild, wie sich das Risiko verteilt. Das Robert Koch-Institut hat seine Bewertung mittlerweile auf “mäßig” hochgestuft. Die Lage müsse aber jeden Tag neu beurteilt werden.

 

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Wie groß ist das Risiko für eine Ansteckung in Deutschland?

 

Der erste Kranke war ein 33-jähriger Deutscher, der sich bei einer Chinesin angesteckt hat, hinzu kamen einige seiner Arbeitskollegen und deren Familienmitglieder. Andere Fälle waren Deutsche, die aus Wuhan ausgeflogen wurden. Entscheidend war: Die Infektionsketten waren klar. Denn schwierig einzudämmen wird ein Virus dann, wenn neue Infektionen nicht mehr auf bekannte Fälle zurückzuführen sind.

 

Neue Lage in Deutschland

 

Mittlerweile breitet sich das Virus in ganz Deutschland aus. Die Zahl der Infizierten steigt täglich, nun gibt es auch die ersten Todesfälle. Die meisten Infizierten gibt es in NRW, gefolgt von Bayern und Baden-Württemberg. In NRW hatte alles mit einem Ehepaar aus dem Kreis Heinsberg begonnen, das das Virus offenbar auf einer Karnevalssitzung weiter verbreitet hat. Daraufhin wurden etwa 1.000 Menschen unter häusliche Quarantäne gestellt.

 

Die Zahl der Infizierten wird weiter steigen

 

Das Robert-Koch-Institut urteilt: “Es handelt sich weltweit und in Deutschland um eine sehr dynamische und ernst zu nehmende Situation.” Die Strategie ist es noch immer, einzelne Infektionen so früh wie möglich zu erkennen – um die Ausbreitung des Virus so weit wie möglich zu verlangsamen. Aber: “Die Lage ist sehr dynamisch”, sagt Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts. Man müsse von Tag zu Tag schauen, wie sich die Situation entwickelt und welche Maßnahmen weiter ergriffen werden müssen.

 

Artikel Abschnitt: Was passiert, wenn Deutsche erkrankt sind?

 

Was passiert, wenn Deutsche erkrankt sind?

 

Wird jemand positiv auf das Coronavirus getestet, wird er umgehend isoliert – und die Infektion gemeldet.

 

Prof. Lars Schaade, Vizepräsident des Robert Koch-Instituts beschreibt das weitere Prozedere so: “Das Gesundheitsamt ermittelt alle engen Kontaktpersonen und wird eine häusliche Quarantäne veranlassen, die bis zum Ablauf des 14. Tages nach dem letzten Kontakt mit dem Patienten dauern wird. In dieser Zeit kontrollieren die Kontaktpersonen mit Hilfe eines Tagesbuchs ihre Gesundheit, das Gesundheitsamt erfasst die Daten täglich. Ist irgendetwas auffällig, wird die Person ebenfalls getestet und isoliert.” Die Coronavirus-Tests sind hundertprozentig auf das Virus abgestimmt.

 

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Gibt es schon eine Therapie?

 

Nein. Es gibt noch keine geeigneten Mittel, die die Coronaviren bekämpfen könnten. In einer Studie, die kurz nach dem Ausbruch gestartet wurde, wird jetzt eine Kombination aus Mitteln getestet, die beim SARS-Virus einen möglichen Nutzen gezeigt hat. Ergebnisse gibt es noch nicht.

 

Auch an einem Impfstoff wird geforscht. Ganz von vorne starten müssen die Wissenschaftler nicht: Erste Entwicklungen gab es bereits für das SARS-Virus. Nur wurden die Impfstoffe nicht zu Ende entwickelt – als der Ausbruch der Krankheit gestoppt wurde, endete auch die Forschung.

 

In China soll Ende April ein Impfstoff in einer klinischen Studie getestet werden. Experten schätzen aber, dass es voraussichtlich ein Jahr dauern wird, bis ein Impfstoff gegen das neue Virus entwickelt und getestet ist.

 

Was hilft? Die Klassiker

 

Empfohlen wird das, was bei ähnlichen Beschwerden empfohlen wird: Bettruhe und ausreichend Flüssigkeit.

 

Artikel Abschnitt: Wie will man verhindern, dass sich das Virus weiter ausbreitet?

 

Wie will man verhindern, dass sich das Virus weiter ausbreitet?

 

Die drastischste Maßnahme: die Abriegelung ganzer Regionen. In Italien wurden zunächst einzelne Dörfer abgeriegelt, jetzt wurde das ganze Land zur Sperrzone erklärt. Schulen, Universitäten und Kindergärten sind geschlossen, die Menschen sollen daheim bleiben – und nur wenn unbedingt nötig unterwegs sein. So soll so weit wie möglich verhindert werden, dass sich das Virus über die lokalen Infektionsherde hinaus weiter ausbreitet.

 

Das wird in Deutschland getan:

 

Mittlerweile hat Gesundheitsminister Jens Spahn empfohlen, Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern abzusagen – auch Konzerte oder Fußballspiele wären betroffen. Viele große Messen wurden schon abgesagt oder verschoben. In besonders betroffenen Gebieten wurden auch Schulen geschlossen, flächendeckend soll das aber nicht passieren.

 

Aktueller Fokus: Die Ausbreitung des Virus so weit es geht zu verlangsamen – und wenn möglich, Infektionsketten zu unterbrechen. So wird noch immer versucht, alle Kontaktpersonen von Infizierten zu ermitteln und zu isolieren. “Im besten Fall kann der lokale Ausbruch auf diese Weise eingedämmt und ausgelöscht werden”, so Timo Ulrichs, Professor für globale Gesundheit an der Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin. “Bei nur einer oder weniger betroffenen Region ist so etwas möglich, wenn es zeitgleich viele Ausbrüche gibt, leider nicht mehr.”

 

Denn schwierig einzudämmen wird eine Ausbreitung dann, wenn Infektionswege nicht mehr überschaubar sind. So wie in Italien. Dort hatte sich das Virus anfangs unbemerkt verbreitet. Um das zu vermeiden, führt das Robert-Koch-Institut jetzt Stichproben in Arztpraxen durch – zusätzlich zu den gezielten Tests bei Verdachtsfällen werden Menschen mit Atemwegserkrankungen jetzt stichprobenartig auf das neue Coronavirus getestet. So wird sonst die Ausbreitung der saisonalen Grippe dokumentiert.

 

Unkontrollierte globale Ausbreitung verhindern

 

Darüber hinaus gibt es schon seit Beginn des Corona-Ausbruchs Maßnahmen, die die weitere globale Ausbreitung eindämmen sollen: So haben einige Fluglinien ihre Flüge in Risikogebiete gestoppt – etwa nach China oder in den Iran.

 

Ein weiterer Versuch sind sogenannte Entry-Screenings an Flughäfen. Mit Wärmebildkameras werden die ankommenden Reisenden daraufhin untersucht, ob sie Fieber haben könnten. Eine Studie aus dem Jahr 2015 kam jedoch zu dem Schluss, dass diese Maßnahme nicht sehr effektiv ist.

 

So seien in Singapur 2009 von 116 Schweinegrippe-Infizierten nur 15 am Flughafen entdeckt worden. In Japan konnten nur 10 von 151 Reisenden mit Schweinegrippe herausgefiltert werden. Das Problem dabei: Reisende können bereits infiziert sein und das Virus in sich tragen, ohne dabei schon Symptome wie Fieber zu entwickeln.

 

Sinnvoller seien: Exit-Screenings, also Kontrollen bei der Ausreise. Die WHO empfiehlt solche Ausreisekontrollen für alle Länder, in denen das Virus ausgebrochen ist. Die WHO hat für das Coronavirus einen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Das heißt: Die Mitgliedsländer müssen ihre Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus untereinander koordinieren.

 

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Was kann ich persönlich tun?

 

Weil gerade zeitgleich bei uns die Grippesaison startet, kann es zu ähnlichen Symptomen wie durch das Coronavirus kommen: plötzliches Fieber, Abgeschlagenheit, trockener Husten, Atemnot. Es besteht also Risiko, dass Patienten mit einer “gewöhnlichen” Influenza irrtümlich in eine isolierte Krankenstation kommen, weil sie für Coronavirus-Patienten gehalten werden. In Deutschland gab es bereits eine ganze Reihe von Coronavirus-Verdachtsfällen, die sich am Ende als Influenzaviren entpuppten.

 

Um unnötige Verdachtsfälle oder sogar Doppelinfektionen zu vermeiden, empfehlen die WHO und das Robert-Koch-Institut Impfungen gegen Grippe, Keuchhusten und Pneumokokken. Das gilt vor allem für Menschen aus Risikogruppen, also: Personen ab 60 Jahren, Schwangere ab dem zweiten Trimester, Menschen mit chronischen Krankheiten (etwa Herz-Kreislauf-Krankheiten, Lungenerkrankungen oder Diabetes), Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sowie Menschen mit beruflich stark erhöhtem Risiko für eine Infektion – etwa medizinisches Personal.

 

Menschen aus diesen Risikogruppen haben ein deutlich erhöhtes Risiko, dass eine Grippe schwer oder sogar tödlich verläuft, da ihr Immunsystem anfälliger für Infektionen sein kann.

 

Unbedingt Hygiene-Regeln beachten

 

Coronaviren können durch Tröpfcheninfektion weitergegeben werden – durch Niesen, Husten oder Schnäuzen. So können die Viren auch auf Oberflächen gelangen, per Schmierinfektion über die Hände wieder in die Schleimhäute geraten – und weitere Menschen infizieren.

 

Wichtig ist daher:

 

  • regelmäßig die Hände waschen und zwar so: mindestens 20 Sekunden mit Seife, bis zum Handgelenk
  • in die Armbeuge niesen oder husten, nicht in die Hand
  • keine Hände schütteln, stattdessen den Ellbogen geben
  • so wenig wie möglich ins Gesicht fassen, Schleimhäute im Gesicht (Mund, Augen, Nase) nicht mit dem Finger berühren
  • Knöpfe im Fahrstuhl nicht mit dem Finger drücken, lieber mit dem Knöchel
  • gut lüften
  • überfüllte Räume und Menschenansammlungen eher meiden

 

Atemmasken? Nur in einem Fall:

 

Um zu verhindern, andere anzustecken – wenn man selbst schon Symptome hat. Gesunden Menschen dagegen bieten die meisten Atemmasken keinen guten Schutz. Weil sie durch kondensierte Atemluft feucht werden, hebt sich der Barriereschutz schon nach 20 Minuten auf. Einen recht guten Schutz dagegen bieten FFP3-Masken. Das Problem: Atemmasken können ein falsches Sicherheitsgefühl suggerieren – sodass die wichtigsten Schutzmaßnahmen wie gutes Händewaschen vernachlässigt werden.

 

 

 

Was muss ich tun, wenn ich Symptome habe?

 

Wer das Gefühl hat, Symptome zu zeigen, sollte zunächst bei seinem Hausarzt oder einer Rettungsstelle anrufen! So vermeidet man, andere Menschen anzustecken. Mit dem Arzt wird dann besprochen, wie es weitergeht – also ob und wann ein Besuch in der Praxis Sinn macht oder ob der Arzt nach Hause kommen kann.

 

Für Menschen, die mit Menschen Kontakt hatten, bei denen das Virus nachgewiesen wurde, gilt: Wenn sie Symptome von einer leichten Erkältung bis hin zu einer Lungenentzündung haben, sollten sie zuhause bleiben, direkten Kontakt zu anderen Menschen meiden und telefonisch das zuständige Gesundheitsamt kontaktieren (das für dich zuständige Gesundheitsamt findest du hier). Das gilt auch für Reisende, die sich innerhalb der letzten 14 Tage in einem Risikogebiet aufgehalten haben und jetzt Symptome zeigen. Die vom Robert-Koch-Institut ausgewiesenen Risiko-Gebiete sind:

 

  • In China: Provinz Hubei (inkl. Stadt Wuhan) und die Städte Wenzhou, Hangzhou, Ningbo, Taizhou in der Provinz Zhejiang
  • Im Iran: Provinz Ghom
  • In Italien: Region Emilia-Romagna, Region Lombardei und die Stadt Vo in der Provinz Padua in der Region Venetien.
  • In Südkorea: Provinz Gyeongsangbuk-do (Nord-Gyeongsang)

 

Die Kosten für den Test auf das Coronavirus werden bei begründeten Verdachtsfällen von den Ämtern und Kassen übernommen.

 

Hinweis: Das Robert-Koch-Institut informiert ab jetzt täglich über die aktuelle Lage zum Corona-Virus. Hier könnt ihr euch über die aktuellen Entwicklungen und Empfehlungen der Experten informieren. Am 02.03.2020 hat es außerdem eine gemeinsame Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gegeben. Den Live-Stream findet ihr hier.